Bilder aus dem Altersheim in Zeiten von Corona

Liebe Gudrun,
Ich habe schon einige Kurse gemacht, aber noch kein Kurs hat so direkte Auswirkungen auf meinen beruflichen sowie persönlichen-familiären Alltag gehabt wie dieser. Die letzten Wochen waren beruflich bei mir ja ziemlich intensiv, aber ich muss sagen, dass ich trotz dieser subtilen „Bedrohung“, die natürlich über dem Altersheim schwebt, sehr viele sehr schöne Momente und Begegnungen erlebt habe. So hat mir heute eine Dame, die von massivem Sprachzerfall betroffen ist und eigentlich immer nur das Wort „Tefi“ wiederholt, mittels Mimik und Gestik eine so lustige Geschichte erzählt, dass wir am Ende beide Tränen gelacht haben. Oder gestern, als ich mich von einem Bewohner, der im Sterben liegt, verabschiedet habe und zum ersten Mal habe ich mich währenddessen und danach nicht gefragt, ob das „eh passt“ was ich in dieser Situation sage und tue, sondern ich habe einfach mit ihm im Moment sein können und es war trotz der traurigen Situation eine schöne Begegnung. Dieses „Du bist gut genug-Gefühl“, dass in Marte Meo so groß gemacht wird, hat bei mir wirklich einiges in Bewegung gebracht und wirkt sich natürlich auch auf mein Gegenüber aus und dafür möchte ich wirklich nochmal DANKE sagen!!
Alles Liebe weiterhin,
Lena

Liebe Lena!
Marte Meo theoretisch weiterzugeben ist einfach. Diesen würdevollen Zugang ins Leben zu integrieren ein täglicher Übungsprozess, Deine Worte motivieren in Beziehung zu investieren, in bewusstes, achtsames Handeln, das die Form unseres Lebens mitgestaltet. Ich danke dir! gudrun

In der Schulgarderobe

Heute hole ich Theo von der Ganztagesschule ab. Bei der Begrüßung fliegen mir aufgeregt viele, viele Worte entgegen. Hausbauen, Mädchen, stehlen, ausrutschen, 1 Stunde nicht mehr mitspielen dürfen und manche mehr. Ich kann die Geschichte nicht sinnerfüllt verstehen und bitte Theo noch einmal von vorne zu beginnen. Theo erzählt: „Wir haben heute Häuser gebaut. Das hat voll viel Spaß gemacht. Die Mädchen haben uns Matten gestohlen. Ich wollte sie wieder zurück stehlen. Da bin ich ausgerutscht und hab unser Haus kaputt gemacht. Dann waren sie böse und ich hab eine Stunde nicht mehr mitspielen dürfen. Nach der Stunde war das Spiel aus und die Häuser aufgeräumt.“ Schade denke ich mir. 

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Für Mira und die Goldminen aller Kinder dieser Welt

Neulich hat mich eine Mama gebeten ihr die Schulnachricht ihres Sohnes (1. Klasse Volksschule), aus dem Elternheft zu übersetzen.

Ich lese sie still in Gedanken und wäge im selben Augenblick ab, welche Konsequenzen diese Zeilen für Saad haben könnten: „Bitte schicken sie Ihr Kind früher in die Schule. Er kommt jeden Tag um 25 Minuten zu spät.“

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