Sich selbst und den Anderen wahrnehmen

Mama holt Mira (2 1/2 J) ab. Im Vorzimmer steht ein Kindersitz, für größere Kinder. Mira hat den Tag über immer wieder darin gesessen und gespielt. Jetzt möchte sie in diesem Sitz nach Hause fahren. Mama erklärt ihr, dass sie noch zu klein für diesen Sitz ist und dass dies viel zu gefährlich wäre. Mira weint. Mama versucht Mira zu beruhigen und sagt, dass sie ab dem 3. Geburtstag, in diesem Kindersitz mitfahren darf. Mira weint lauter. Mama geht auf Augenhöhe und spricht sanft: „Ja Mira. Ich sehe du bist traurig. Du möchtest so gerne in diesem Sitz fahren. Aber das geht heute noch nicht.“ Dabei hebt sie Mira aus dem Vorzimmerautositz und sagt:“ Komm, ich trag dich zum Auto.“ Mira wehrt sich gewaltig und schreit.

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Bilder aus dem Altersheim in Zeiten von Corona

Liebe Gudrun,
Ich habe schon einige Kurse gemacht, aber noch kein Kurs hat so direkte Auswirkungen auf meinen beruflichen sowie persönlichen-familiären Alltag gehabt wie dieser. Die letzten Wochen waren beruflich bei mir ja ziemlich intensiv, aber ich muss sagen, dass ich trotz dieser subtilen „Bedrohung“, die natürlich über dem Altersheim schwebt, sehr viele sehr schöne Momente und Begegnungen erlebt habe. So hat mir heute eine Dame, die von massivem Sprachzerfall betroffen ist und eigentlich immer nur das Wort „Tefi“ wiederholt, mittels Mimik und Gestik eine so lustige Geschichte erzählt, dass wir am Ende beide Tränen gelacht haben.

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In der Schulgarderobe

Heute hole ich Theo von der Ganztagesschule ab. Bei der Begrüßung fliegen mir aufgeregt viele, viele Worte entgegen. Hausbauen, Mädchen, stehlen, ausrutschen, 1 Stunde nicht mehr mitspielen dürfen und manche mehr. Ich kann die Geschichte nicht sinnerfüllt verstehen und bitte Theo noch einmal von vorne zu beginnen. Theo erzählt: „Wir haben heute Häuser gebaut. Das hat voll viel Spaß gemacht. Die Mädchen haben uns Matten gestohlen. Ich wollte sie wieder zurück stehlen. Da bin ich ausgerutscht und hab unser Haus kaputt gemacht. Dann waren sie böse und ich hab eine Stunde nicht mehr mitspielen dürfen. Nach der Stunde war das Spiel aus und die Häuser aufgeräumt.“ Schade denke ich mir. 

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