Sich selbst und den Anderen wahrnehmen

Sich selbst und den Anderen wahrnehmen

Mama holt Mira (2 1/2 J) ab. Im Vorzimmer steht ein Kindersitz, für größere Kinder. Mira hat den Tag über immer wieder darin gesessen und gespielt. Jetzt möchte sie in diesem Sitz nach Hause fahren. Mama erklärt ihr, dass sie noch zu klein für diesen Sitz ist und dass dies viel zu gefährlich wäre. Mira weint. Mama versucht Mira zu beruhigen und sagt, dass sie ab dem 3. Geburtstag, in diesem Kindersitz mitfahren darf. Mira weint lauter. Mama geht auf Augenhöhe und spricht sanft: „Ja Mira. Ich sehe du bist traurig. Du möchtest so gerne in diesem Sitz fahren. Aber das geht heute noch nicht.“ Dabei hebt sie Mira aus dem Vorzimmerautositz und sagt:“ Komm, ich trag dich zum Auto.“ Mira wehrt sich gewaltig und schreit.

Mama wiegt sie sanft bis zum Auto. Dann setzt sie Mira, begleitend mit ruhiger Stimme, in den Sitz: “ So Mira, die Gurte noch über die Hände. Geschafft – und jetzt noch die Schnalle. Gut. Fertig.“ Mira’s Widerstand nimmt langsam ab und das Weinen auch. Wir fahren los. Mira schaut aus dem Fenster. Ihre Augen werden immer kleiner und kleiner bis sie zufallen. Doch für einen kurzen Augenblick öffnet sie die Augen noch einmal und teilt uns ihre Gedanken: „Ich wollte so gerne mit dem anderen Autositz fahren.“ Mama hört Mira und antwortet mitfühlend: „Ja Mira, ich weiß. Du wolltest gerne mit dem anderen Sitz fahren.“ „Ja“, sagt Mira, atmet tief und schläft ein.

Der Regen hat die Blütenblätter auf Funny’s Grab abfallen lassen. Ich hocke am Boden um sie aufzuheben. In diesem Augenblick vermisse ich Funny’s Herumtollen und Gebelle. Mira steht neben mir. Sie berührt meine Schulter und fragt:“ Bist traurig Omi?“ „Ja“, sag ich. „Sie fehlt mir manchmal.“ Mira kommt auf Augenhöhe, schaut mich an und sagt: „Wird alles wieder gut Omi.. Magst ein Wasser? Ja? Wart ich hol dir eines.“

Wie gut Feinfühligkeit tut.

gudrun